Interview mit Marrok von Selbstentleibung
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Hallo Marrok!
Grüß dich Hakon!
Freut mich, dass wir ein weiteres Interview mit Dir machen dürfen. Ich habe bereits euer neuestes Album „kategorie:tot“ kritisiert und es ist mit Sicherheit ein weiterer Meilenstein in der österreichischen Black Metal Szene. Entweder man liebt das Album oder man hasst es. Wie findest Du persönlich euer eigenes Album?
„kategorie:tot“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ehrliche Musik, resultierend aus unseren persönlichen Erfahrungen der letzten Jahre. Durch diesen persönlichen Zugang fällt es mir leicht mich immer und immer wieder in das Material hinein fallen zu lassen und darauf kommt es uns an. Technische beziehungsweise „songwriterische“ Verbesserungen würden einem im Nachhinein immer noch einfallen, man lernt ja als Musiker nie aus, hast du jedoch einen ehrlichen emotionalen Zugang zu deinem Material, wirst du dich immer damit identifizieren können und dann ist es auch nicht weiter wichtig wie gut oder schlecht das Album von der Außenwelt aufgenommen wird!

Das Album ist für Black 'n Roll doch relativ komplex. Auch lyrisch ist es ziemlich hochwertig. Wie waren die Arbeiten an sich für euch?
Das ist glaube ich das erste Mal, dass uns jemand in diese Schublade ordnet haha Mit „Black ’n Roll“ würde ich wohl eher andere Bands assoziieren, jedoch steht es ja jedem frei wie er/sie Musik kategorisiert oder auch nicht!
Was den Arbeitsprozess zu „kategorie:tot“ betrifft:
Grundsätzlich wurden die Songs auf diesem Album von mir geschrieben und arrangiert, jedoch haben alle Mitglieder während der Songwriting-Phase jederzeit ihre Einflüsse und Ideen bei der Detailarbeit mit eingebracht. Die Texte werden von Sänger „Tötung“ und mir ausgearbeitet; in Sachen Timing sollte man einem gefühlvollen Sänger dann sowieso nicht zu viel rein reden, dabei würde zu viel Emotion verloren gehen! Gegen Ende des Schaffensprozesses stieß „Ragnar“ an der zweiten Gitarre zu uns und da er sich schnell als eine Art musikalischer Seelenverwandter herausstellte, ließ er seine Ideen kurz vor dem Studio ebenfalls in seine Spuren einfließen, womit der eine oder andere Song noch deutlich an klanglicher Tiefe gewonnen hat!
Heuer konntet ihr bereits auf vielen Festivals und Konzerten spielen. Ich durfte euch zum ersten Mal beim Eine in Teich bewundern. Ein echt genialer Gig. Wie ist es für Dich auf der Bühne zu stehen – nachdem du ja schon einiges an Erfahrung hast; immer noch nervös?
Klingt vielleicht komisch, aber nervös war ich bislang noch nie! Ich denke Nervosität macht sich breit, wenn man etwas zu befürchten hat, aber was soll einem auf der Bühne groß passieren? Die Bühne dient doch dazu gemeinsam mit dem geneigten Zuhörer/-seher auf einem möglichst gemeinsamen Nenner in die gespielte Musik einzutauchen, da ist Konzentration und die nötige Grundstimmung und emotionale Offenheit gefragt, für Nervosität ist da kein Platz!
Wir stehen kurz vor einem Wechsel zur Booking Agentur von „Black Light Music“, wodurch wir hoffentlich in den nächsten Jahren weiterhin auf Europas Bühnen vertreten sein werden, denn die Stunden auf der Bühne gehören auf jeden Fall zu den intensivsten Momenten meines Lebens und ich bin froh, dass uns diese Erfahrung niemand mehr nehmen kann!
Da wir vorhin schon von Festivals gesprochen haben. Ihr wurdet am kommenden Open Air Festival „Castle Invasion“, neben Eternity und Moredhel, aufgrund einer Anschuldigung auf Rechtsextremismus aus dem Line Up geworfen. Woher könnten dieser Beschuldigen kommen?
Um es vorweg zu nehmen: Wir haben uns leider mit dem Release über Christhunt Productions Ende 2009 selbst unnötig angreifbar gemacht. Die Entscheidung hängt uns nun in manchen Kreisen nach und war wohl ehrlich betrachtet nicht die intelligenteste Wahl. Wir hatten als Band damals wie heute nichts mit Politik am Hut und distanzieren uns seit jeher von anderen Releases, die über CHP erschienen sind, da wir weder Kontakt zu besagten Bands haben, noch uns mit deren Inhalten verbunden fühlen. Wie wir heute zu unserer damaligen Entscheidung stehen scheint die breiten Medien offensichtlich jedoch nicht zu interessieren. Ähnliches gilt für ein Interview, welches unser Schlagzeuger „Ördögvér“ für sein Soloprojekt „Romboló“ vor einigen Jahren gab. Uns werden nun verdrehte Aussagen aus diesem Fragegespräch an den Kopf geworfen. Wir bestreiten nicht, dass manche seiner Antworten unnötig provokant, direkt oder unüberlegt formuliert wurden, jedoch waren diese Dinge trotz allem nicht rechtsradikal und spiegeln nicht seine heutigen Ansichten wieder, das Interview wurde auch vor Jahren auf seinen Wunsch hin vom Netz genommen!
Laut unseren Informationen ergab eine Überprüfung der Behörden allerdings sowieso, dass wir nicht bedenklich wären, uns wurde der Auftritt jedoch trotzdem untersagt, plötzlich „wegen gesellschaftlich bedenklichen Dingen“, ohne dass uns jemals jemand kontaktiert hätte um zum Beispiel Texte einsehen zu können. Ich denke dazu muss man nichts mehr hinzufügen, die Situation spricht für sich!
Um jetzt nochmal auf dieses leidige Thema in der Metalszene anzusprechen: Wie stehst Du selbst zur Rechten Politik?
Ich lehne, ebenso wie alle anderen Mitglieder von Selbstentleibung, politisch extrem rechts ausgerichtete Personen und Organisationen ebenso wie deren Pendant des linken Flügels gleichermaßen strikt ab! Ich habe mich lange Zeit als unpolitischer Musiker betrachtet und dementsprechend versucht diesen Themen im Metal möglichst aus dem Weg zu gehen. In den vergangenen Wochen musste ich für mich allerdings erkennen, dass dies der falsche Weg ist, denn so macht man es erst möglich, dass dieser geringe Prozentsatz an (extrem)politisch motivierten Spinnern ihren Krieg auf unserem Rücken und auf unsere Kosten führen kann. Ich selbst und die meisten meiner Bandkollegen haben mindestens einen Elternteil, der nicht in Österreich geboren wurde, einige von uns arbeiten sogar im sozialen Bereich und unser Freundeskreis könnte internationaler nicht sein und trotzdem gerät man schnell ins Fadenkreuz, denn „unpolitisch“ wird leider gerne als „nicht-gegen-rechts“ gedeutet.
Es wird Zeit, dass sich Bands und Künstler aktiver gegen diesen Wahnsinn aussprechen, vor allem auch Bands, die ihrer Ansicht nach zu unrecht beschuldigt werden und solche Fälle gibt es zur genüge! Man muss jedoch einsehen, dass man die Situation nicht verbessert, wenn man wie ein beleidigtes Kleinkind verbal um sich Schlägt! Auf außenstehende Entscheidungsträger wirken solche Aktionen wohl nicht gerade vertrauenserweckend oder vernünftig. Es wird ja auch schnell wüst gegen „DIE Antifa“ geschimpft, ohne daran zu denken, dass z.B. ein szenefremder Regionalpolitiker dadurch das Bild vermittelt bekommt, man sei grundsätzlich gegen alle Antifaschisten, denn nicht jeder weiß, dass es ein loses Netzwerk an Verrückten gibt, die unter eben diesem Deckmantel auf tiefstem Niveau agieren! Da muss man in Zukunft differenziertere Statements abgeben um eventuell mehr Gehör zu erlangen.
Ich könnte zu diesem Thema noch viele viele Zeilen schreiben, unser Standpunkt dürfte allerdings nun ausreichend besprochen sein, es sollte ja doch langsam wieder um Musik gehen!

Jetzt kommen wir doch wieder zurück auf Eure Band „Selbstentleibung“. Wie kam es eigentlich zu dieser Namensgebung?
Diese Frage kann wohl nur Herr „Tötung“ vollständig beantworten, jedoch weiß ich, dass die Band inklusive dem Namen einer sehr schwierigen Phase seines Lebens entsprungen ist. Details sind hier zu privater Natur, jedoch war es für ihn schlichtweg nötig ein Ventil für seinen Zustand zu finden und das ist ihm über die Jahre wahrlich gelungen!
Ich für meinen Teil habe einen alternativen Zugang zum Bandnamen entwickelt. Ich interpretiere das Wort an sich mehr in seinen einzelnen Bestandteilen. Für mich bedeutet „Selbstentleibung“ eine Art emotionaler Ausbruch über die Grenzen des Körperlichen hinaus, denn so ähnlich wirkt sich unsere Musik auf meinen Geist aus, wenn der erste Ton erklingt ist es hinfällig wie ich aussehe, was mein Körper leisten kann usw., da zählt nur noch das innere Gefühl!
Wo siehst Du eure Band in 5 Jahren?
Als noch enger verbundene Einheit inklusive unserem engsten Umfeld, möglichst ohne weitere Besetzungswechsel und wir werden hoffentlich immer noch ehrliche Musik produzieren können, wie auch immer die in 5 Jahren klingen wird. Alles andere, wie etwa Erfolg wird sich weißen, solang wir erhobenen Hauptes hinter unserem Material stehen können haben wir jedoch schon gewonnen!
Du spielst ja auch in der Band „Tulsadoom“. Zwischen den beiden Bands sind musikalisch doch Welten dazwischen. Derweil die eine Band doch sehr düster und finster klingt, ist Tulsadoom ja doch etwas, ich sag's jetzt ganz drastisch, „fröhlicher“. Dort geht es um Saufen, Frauen und Conan!
Im Prinzip spielst Du ja auf der Bühne zwei komplett unterschiedliche Charaktere, das ja schon fast an Schauspielerei grenzt. Ist es für Dich schwierig in so zwei differenzierten Bands zu spielen?
Dazu möchte ich eigentlich relativ wenig sagen. Wie du schon erkannt hast treffen hier musikalisch zwei Welten aufeinander, aber genau diesen Spagat brauche ich im Leben um der ausgeglichene Mensch zu bleiben, der ich momentan bin. Schauspielerei hat damit jedoch nichts zu tun, ich verkörpere keine vorgegebene andere Persönlichkeit! Die Allerwenigsten sind 365 Tage im Jahr nur düster und schlecht gelaunt, auch wenn viele Kollegen in unserem Business genau das vorgeben wollen. Dieser Ausgleich macht es mir eher leichter mich in die jeweilige Stimmung fallen zu lassen, so ist für jede Gefühlslage das nötige Ventil vorhanden!
Was bedeutet Metal an sich für Dich?
Durch dieses so vielfältige Genre habe ich mein persönliches wie künstlerisches Zuhause gefunden. Ich habe immer ein offenes Ohr für alternative Kunstformen, der Metal ist jedoch klar die favorisierte Ausdrucksform! Mit vielen guten Freunden verbindet mich eben diese Musik, jedoch muss man auch in unserer/unseren Szene(n) lange suchen um die richtigen Leute zu finden, der Großteil ist auch unter den Metalfans äußerst austauschbar und rückgratlos, man sollte sich gut überlegen, wem man sein Vertrauen schenkt!
Ich möchte mich bei Dir für ein weiteres, interessantes Interview bedanken!
Wir danken dir für die tatkräftige Unterstützung!
