Interview mit Nebelfront
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Kunst ist und bleibt eine seltene Sache. Solche zu entdecken ist, als fände man ein Goldstück im Rinnstein. Und genauso ist es auch mit dem österreichischen Black Metal. Mit Ausnahmen von ein paar bekannteren Fraktionen, ist dieses Genre nicht nur rar gesät, sondern findet auch meist sehr mühsam den Zugang zu den Hörern. Umso mehr freue ich mich über jeden heimischen Neuzugang in diesem Musikzweig. Ein Beispiel für so einen Neuzugang ist das Projekt Nebelfront, das im Jahre 2009 in einer kleinen Marktgemeinde Kärntens seinen Ursprung fand. Seit jener Zeit präsentierte uns das einzige Mitglied, Herr Herbstklang, das Debütalbum Pour ma sœur und erklärte sich nun bereit mit The Whiplasher ein paar Worte zu wechseln.
Nun denn, fangen wir ganz von Vorne an. Wie bereits erwähnt, wurde Nebelfront 2009 ins Leben gerufen. Erzähl uns doch etwas über die Entstehung des Projektes. Wie kam es zu dieser Entscheidung? Hattest du schon vor dieser Zeit Ideen zur musikalischen Verwirklichung? Warst du schon immer das einzige Mitglied oder hat es damals auch noch andere Gründungsmitglieder gegeben? Und was für mich vor allem von großem Interesse ist: Wie kam es zu der Namensgebung Nebelfront?
„Musik machen wollte ich im Grunde schon immer, eigentlich schon seit frühester Kindheit. Als ich dann im Jahr 2006 zum Metal gekommen bin war es für mich sofort klar, dass ich in diesem Genre musikalisch tätig sein wollte (über ein genaueres Subgenre habe ich mir zu dieser Zeit noch keine Gedanken gemacht – es war ja erst die Anfangszeit, da hatte ich noch keinen besonders guten Überblick). Ab 2008 versuchte ich dann ein Projekt auf die Beine zu stellen. Es gab auch immer wieder Leute, die Interesse zeigten, doch sie blieben meistens nie lange dabei, obwohl zwei recht fähige Mitglieder (ich am Schlagzeug und ein Freund als Sänger) konstant dabei waren. Es war sogar ein geräumiger Proberaum mit PA vorhanden. Ich weiß nicht warum, jedenfalls kam nie etwas Ernsthaftes zustande.
Gegen Ende des Jahres 2009 begann ich schließlich, autodidaktisch ein wenig Gitarre zu lernen. Dabei entstanden einige simple Intros und Ideen für Riffs, und ich nahm innerhalb einiger Monate ein paar Demo-Tracks mit Gitarre und Schlagzeug auf. Seit dieser Zeit bemühte ich mich nicht mehr darum, Bandmitglieder zu finden. Es war auch sofort klar, dass ich mich mit meinem Projekt im Genre des Depressive Black Metal bewegen würde, ich wollte mich aber selber nicht eingrenzen und alle möglichen Einflüsse mit einfließen lassen (und bei all den Schwächen, die mein Debut hat: das ist mir auch gelungen).
Wie der Name Nebelfront entstand, kann ich tatsächlich nicht mehr genau sagen. Ich denke, bei der Suche nach einem Namen, der gut klingt und auch etwas aussagt, bin ich eher zufällig darauf gekommen. Ich persönlich deute den Namen für mich mit einem Ereignis in meinem Leben, das mich vollkommen aus der Bahn geworfen und mir, metaphorisch gesprochen, die Sicht genommen hat.“
So weit so gut. Kommen wir zum Inhalt deiner Musik. Wie ich sehe setzst du dich thematisch hauptsächlich mit Lebensnegierung à la Suizid und Misanthropie (ich finde ja nicht, dass das eine zwanghaft das andere enthalten muss) auseinander. Jetzt gibt es natürlich eine Menge Hörer, denen diese DSBM-Schublade gar nicht wohlbekommt. Man sagt, dass diese dekadente Denkweise in keinster Weise in die Black Metal Ideologie passen würde. Black Metal habe nichts mit Depressionen, Natur (siehe Regnerischer Waldspaziergang/Pour ma sœur) und dergleichen zu tun, sondern wäre einzig und allein die Hingabe zum Satan und eine Kampfansage gegen den Rest der Welt. Solche Anschauungen habe ich bereits des Öfteren sowohl in Interviews gelesen, als auch bei manchen Diskussionen gehört. Wie siehst du denn das Ganze? Gibt es bestimmte Kriterien, die diese Musik erfüllen muss, um sich eben als diese wiederzuerkennen? Was ist Black Metal für dich?
„Für die Beantwortung dieser Frage muss ich wohl etwas weiter ausholen. Zu Beginn einmal: ja, diese Themen bilden lyrisch gesehen den Großteil des ersten Albums. Ich habe, um ehrlich zu sein, nicht darüber nachgedacht, was ich schreibe, es ist einfach so entstanden.
Auf meinem nächsten Album variieren die Themen stärker, die gefühlsbetonte Ebene wird allerdings wieder hervorgehoben, aber nicht so Ich-bezogen wie auf der Pour ma sœur.
Was jetzt, um die eigentliche Frage zu beantworten, irgendjemand davon hält, der glaubt, die komplette Aussage des Black Metal für sich beanspruchen zu können, ist mir persönlich vollkommen egal. Denn, sehen wir es einmal so: Black Metal hat sich dem Zerstören von Konventionen, dem Entgegenhalten von Trends durch Innovation verschrieben. Wenn da jetzt Leute sagen, nein, das ist kein richtiger Black Metal, Black Metal muss so oder so sein, dann ist das für mich ein ziemlich großer Widerspruch. Wie kann man sich für einen ach so „trven“ Black Metaler halten, zu dessen Attitüde es gehört, gegen Konventionen zu sein, und dann alles, das gegen den Strom schwimmt, verurteilen? Denk nur mal an Peste Noire: Famine verstößt gegen so ziemlich alle ungeschriebenen Gesetze des Black Metal. Und genau damit ist PN für mich eine der ersten wahren Black Metal Bands seit vielen Jahren.
Das soll allerdings nicht heißen, dass ich guten, alten Oldschool Black Metal nicht zu schätzen weiß. Es sollte im Black Metal jeder die Freiheit haben, sich auf seine Art und Weise auszudrücken und niemanden anderen für sein eigenes Schaffen verurteilen. (Davon nehme ich christlichen Black Metal* allerdings aus, das ist einfach nur lächerlich).“
*(Anm. d. Red.: "It's like trying to kiss children with machine guns" E.D.)
Kommen wir nun zum instrumentalen Teil. Beim Durchhören deines Werkes schien mir - und es sei mir verziehen, wenn dem nicht so ist - einen Nocturnal Depression Einfluss zu hören. Ist es denn eine Band, die für dich als Inspiration dient? Was inspiriert dich generell und welche Bands hörst du gerne privat? Bleibt es beim Schwarzmetal oder ist dein Interesse gar in ganz anderen Genres zu finden? Dabei ist mir auch nicht entgangen, dass du neben deutsch- und englischsprachiger Lyrik auch französische Titel, wie etwa Devant l'Abime (z. dtsch.: Vor dem Abgrund) und die Albumtitelierung Pour ma sœur (z. dtsch.: für meine Schwester) hast. Da mir persönlich französisch sehr gesonnen ist, muss ich dich einfach fragen wie du dazu kommst französisch als Ausdruckskraft zu nutzen. Willst du uns vielleicht dein Albumtitel etwas näher bringen oder soll das doch vertraulich bleiben?
„Es ist durchaus richtig, dass Nocturnal Depression für mich eine ziemlich große Inspirationsquelle ist, da diese Band eine der ersten im Depressive/Ambient-Sektor war, die ich gehört habe. Ich hoffe allerdings, dass nicht zu viel von der Musik dieser Band in mein eigenes Werk miteingeflossen ist. Einfache gezupfte Gitarrenparts, unterlegt mit den passenden Powerchords – dieses Stilelement wurde mir sicher durch Nocturnal Depression nähergebracht, allerdings habe ich versucht, meinen eigenen Stil zu finden und mehr zu variieren. Ich persönlich finde auch, dass meine Lieder bis auf das Stück Gray Landscape of Despair nicht all zu sehr nach den Franzosen klingen, aber eben genau dieses Stück muss ich selber fast als Plagiat bezeichnen.
Generell werde ich hauptsächlich durch die Musik, die ich höre beeinflusst, das lässt sich einfach nicht leugnen. Im Bereich Black Metal höre ich hauptsächlich atmosphärischen, depressiven und avantgardistischen Black Metal, zum Beispiel Austere, Alcest, Sombrês Forêts, Peste Noire, Agalloch, Lifelover, Verdunkeln, Darksapce usw. Allerdings bin ich der alten Schule genauso zugetan: Behexen, Satanic Warmaster, Graupel, Darkthrone, Antaeus, Craft, Katharsis (Deutschland) usw.
Ich höre sehr viel mehr als nur Black Metal. Als erstes wäre da Post-Rock/Shoegaze wie God Is An Astronaut, This Will Destroy You oder Sleepmakeswaves, außerdem höre ich 60er/70er Rock wie Led Zeppelin, The Doors und eine Band der Neuzeit, die sich diesem Stil verschrieben hat: Baby Woodrose. Ansonsten geht mein Geschmack durch Bands und Interpreten der verschiedensten Genres: Soap&Skin, Joy Division (und New Order), Nirvana, Sonic Youth, Tom Waits, Johnny Cash... Ach ja, sehr wichtig ist auch noch Neofolk/Apocalytpic Folk wie Rome, Neun Welten und Ordo Rosarius Equilibrio.
Die französischen Titel hab ich einfach als eine Art Hommage an die französische Szene gewählt, da aus diesem Land meiner Meinung nach sehr viel guter und innovativer Black Metal kommt.“
Wahres Wort! Wie ich gesehen habe, hattest du ja bereits vor kurzem, mit Hilfe von Livemembers, einen Auftritt auf dem Eine in Teich Festival und ein weiterer Gig steht demnächst bei Triumphant Return of Blackness an. Erzähl doch mal, wie ist es für dich auf der Bühne zu stehen? Hat es für dich eine besondere Bedeutung den Hörern deine Kunst live zu präsentieren und wenn ja, welche? Und kannst du dir vorstellen, dass dir eines Tages nicht nur auf der Bühne, sondern auch fest bei Nebelfront weitere Members zur Seite stehen?
„Ehrlich gesagt, nach nur einem Auftritt, der generell mein erster mit einer Band war (wenn man von der Schulband absieht), kann ich noch nicht so genau sagen, wie das ist, zumindest vom Gefühl her. Ich war einfach so sehr darauf konzentriert, keine Fehler zu machen, dass ich alles andere gar nicht wirklich wahrgenommen habe. Wenn man dann allerdings den Applaus hört und weiß, die Leute geben dir die Anerkennung für deine eigene Musik, dann bedeutet mir das schon viel. Mehr sagen kann ich zu den ersten Proben mit meiner Livecrew. Bei diesen Gelegenheiten hatte ich zum ersten Mal die Möglichkeit, meine Songs mit einer Band zu spielen, und dabei habe ich gemerkt, wie viel Kraft in ihnen steckt – eine Kraft, die wegen der schlechten Produktion auf der CD leider kaum rüberkommt.
Auf den Auftritt beim Triumphant Return of Blackness Festival freue ich mich schon sehr. Ich denke, dass ich dort etwas entspannter sein werde und das Gefühl vor Leuten zu spielen, wahrscheinlich mehr genießen kann. Außerdem wird uns bei diesem Auftritt Taranis von NightForest als Bassist zur Seite stehen.
Ich wollte eigentlich, dass Nebelfront immer ein hundertprozentiges Solo-Projekt bleibt, doch da meine Fähigkeiten am Schlagzeug durch das ständige Üben an der Gitarre in letzter Zeit leider ziemlich nachgelassen haben, werde ich für die Intonierung einiger Lieder des neuen Albums wahrscheinlich einen Session-Drummer engagieren. Aber abgesehen davon will ich keine fixen Mitglieder.“
Alles klar! Weisst du, wenn wir hier schon bei Live-Auftritten sind (mich juckts einfach in den Fingern), komm ich, als treuer Angehöriger dieses Genres, nicht um diese Frage herum. Wie vermutlich jedem, der sich mit Black Metal beschäftigt, bewusst ist, gibt es vor allem in diesem Metalbereich ständig Probleme mit der sogenannten "Musikpolizei" von ANTIFA. Hast du diesbezüglich schon mal schlechte Erfahrungen gemacht, evtl. sogar mit Nebelfront? Wie siehst du die ganzen "ANTIFA-Maßnahmen" im Black Metal Bereich?
„Ich habe befürchtet, dass diese Frage kommt – nicht, weil ich nicht zustimme, sondern weil ich meine Emotionen beim Beantworten jetzt ziemlich im Zaum halten muss.
Die Antifa ist meiner Meinung nach nichts weiter als ein Haufen inkompetenter, nichts reflektierender, infantiler Pseudo-Weltverbesserer. Ich selbst bin zwar auch ein liberal denkender Mensch, aber die Antifa geht eindeutig den falschen Weg, um gegen faschistisches Gedankengut vorzugehen. Speziell im Black Metal hat die Antifa ganz einfach nichts verloren, da sie sowas von überhaupt nichts von dieser Musik versteht (Leute, die jetzt denken, ich selber verstünde ja genauso wenig davon, weil ich mich hier als liberal „oute“, was ja schon mal gar nicht in den Black Metal passt, verweise ich auf die Antwort der Frage Nummer zwei). Es wird nichts recherchiert, nur vorgeworfen. Taake sei beispielsweise eine Nazi-Band, weil sich der Sänger einmal ein Hakenkreuz auf die Brust gemalt hat. Texte und Interviews werden von den Antifanten allerdings offenbar nicht zur Recherche verwendet, sonst könnten sie Taake niemals als eine Nazi-Band bezeichnen. Und das ist nur ein Beispiel, es gibt so viele andere Geschichten, aber ich denke, darüber wissen Leser, die sich mit Black Metal beschäftigen, selber bescheid. Eigentlich sollte die Antifa verklagt werden, denn was sie betreibt, ist eindeutig schwere Verleumdung und Rufschädigung (man werfe nur einen Blick auf die ganzen Lügen-Artikel über das Northern Lights Festival).
Nebelfront war bisher noch nicht im Blickfeld der Antifa (was mich fast wundert, immerhin steckt ja das Wort „Front“ im Bandnamen), doch nach diesem Interview, sofern es irgendwie ins Blickfeld dieses Vereins kommt, steht Nebelfront wahrscheinlich auch auf ihrer schwarzen Liste – einfach, weil ich nicht ihrer Meinung bin. Denn, sich der Antifa gegenüber negativ zu äußern, reicht schon aus, um als Nazi abgestempelt zu werden.“
Dann bleibt wohl nur zu hoffen, dass das niemals passieren wird! Nun gut, dann kommen wir zum Abschluss und somit auch zur letzten, aber dennoch wichtigsten Frage: Wie siehst du Nebelfront in der Zukunft? Stehen in nächster Zeit neue Releases an? Hast du bestimmte Pläne, die du uns gern mitteilen willst?
„Zurzeit bin ich mit den Aufnahmen für das zweite Album mit dem Titel Illusionen und für eine Split-EP mit dem oberösterreichischen Ein-Mann-Projekt Trauerklang beschäftigt. Beide Werke werden wahrscheinlich Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres erscheinen. Danach werde ich mich vermehrt darum bemühen, live spielen zu können, außerdem würde ich gerne eine oder zwei weitere Splits machen. Aber da ist noch nichts Konkretes geplant.“
Klingt doch stark nach musikalischem Ehrgeiz. Ich bin auf jeden Fall sehr auf deine neuen Werke gespannt! Und nun zum Ausklang…
Alles hat ein Ende, und das unserer Unterhaltung findet sich soeben hier. Ein paar Zeilen für die letzten Worte bleiben mir am Ende allerdings noch übrig. Ich bedanke mich auf jedem Fall für deine Zeit, für das Interview und die damit verbundenen Mühen und wünsche dir das Beste für die Zukunft! Natürlich hoffe ich auch, dass man künftig den Namen Nebelfront noch öfters und noch kraftvoller zu hören bekommt! Und nun bist du an der Reihe. Das letzte Wort gebührt dir!
„Ich danke dir für das Interview und für deine Worte!
Zum Abschluss möchte ich noch anmerken, dass Nebelfront zwar in keinster Weise politisch ist, ich aber sehr wohl meine Ansichten habe und auch dazu stehe. Daher möchte ich diesen Platz nutzen, um folgendes zu sagen: Wer Kapitalismus und Globalisierung unterstützt, der unterstützt die Ausbeutung von armen Ländern! Ich bin der Menschheit zwar generell nicht besonders zugetan, allerdings würde ich nur eine Ausrottung, und zwar die, aller Menschen, egal, aus welchem Land oder aus welcher sozialen Schicht sie kommen, gutheißen. Wenn es sich aber arrogante, träge, egoistische Menschen aus Europa und Amerika auf Kosten von Menschen aus sogenannten Entwicklungsländern gutgehen lassen, so toleriere ich das in keinster Weise.“
Lycur I.K.
